Wahlarzt vs Kassenarzt: Das Zwei-Klassen-System, das du in Österreich verstehen musst
Ein Kassenarzt hat einen ÖGK-Vertrag — du zeigst deine e-card und zahlst nichts. Ein Wahlarzt ist ein Privatarzt ohne Vertrag — du zahlst €108–206 pro Besuch vorab und bekommst nur etwa 20% der tatsächlichen Rechnung von der ÖGK zurück. Diese Unterscheidung bestimmt jede Gesundheitsentscheidung in Österreich.
In Wien sind rund 50% aller Ärzte Wahlärzte. In manchen Fachrichtungen wie Dermatologie und Psychiatrie ist der Anteil noch höher. Als internationale/r Studierende/r wirst du diesem Zwei-Klassen-System schnell begegnen — besonders bei der Suche nach englischsprachigen Ärzten, kürzeren Wartezeiten oder bestimmten Fachärzten.
Dieser Guide erklärt genau, wie beide Systeme funktionieren, was du tatsächlich beim Wahlarzt zahlst, wie der Erstattungsprozess läuft und wann eine Zusatzversicherung finanziell sinnvoll ist. Die Grundlagen zur österreichischen Studierendenversicherung findest du in unserem ÖGK-Selbstversicherungs-Guide.
Kassenarzt: Der Vertragsarzt im öffentlichen System
Ein Kassenarzt (auch Vertragsarzt genannt) hat einen Vertrag mit der ÖGK. Dieser Vertrag legt feste Honorare für jede Leistung fest. Du als Patient bekommst diese Honorare nie zu sehen.
So funktioniert es
- Du gehst in die Kassenarzt-Ordination
- Du zeigst deine e-card an der Rezeption
- Der Arzt behandelt dich
- Du gehst — ohne etwas zu bezahlen (außer €7,55 pro Rezept, falls du Medikamente brauchst)
Das war es. Keine Rechnungen, keine Erstattungsanträge, keine Überraschungen.
Was du bekommst
- Hausarztbesuche (Allgemeinmediziner): Unbegrenzt, keine Überweisung nötig
- Facharztbesuche: Mit Überweisung vom Hausarzt — ein Facharzt pro Fachrichtung pro Quartal
- Labor und Bildgebung: Vom Arzt angeordnet, direkt mit der ÖGK abgerechnet
- Rezepte: Du zahlst nur die Rezeptgebühr von €7,55 pro Medikament
Der Nachteil: Wartezeiten
Hier hat das Kassensystem ein Problem. Eine Studie aus 2026, basierend auf 1.591 verdeckten Anrufen in ganz Österreich, ergab folgende durchschnittliche Wartezeiten für einen Ersttermin:
| Fachrichtung | Kassenarzt-Wartezeit | Wahlarzt-Wartezeit | Faktor |
|---|---|---|---|
| Augenheilkunde | 52 Tage | 4 Tage | 13x länger |
| Orthopädie | 24 Tage | 2 Tage | 12x länger |
| Dermatologie | 33 Tage | 5 Tage | 7x länger |
| Innere Medizin | 28 Tage | 4 Tage | 7x länger |
| Gynäkologie | 18 Tage | 3 Tage | 6x länger |
| Allgemeinmedizin (Hausarzt) | 5 Tage | 1 Tag | 5x länger |
Quelle: Wahlarzt-Kassenarzt Wartezeiten-Studie 2026, Daten erhoben November 2025 – Februar 2026.
Beim Hausarzt sind 5 Tage machbar. Beim Dermatologen oder Augenarzt fast zwei Monate zu warten, kann zum Problem werden — besonders bei akuten Beschwerden.
Kassenarzt finden
Nutze die ÖGK-Arztsuche auf gesundheitskasse.at. Filtere nach:
- Fachrichtung
- Bundesland/Bezirk
- Sprache — manche bieten Englisch an
In Wien hilft auch die Ärztekammer-Wien-Arztsuche mit Filter nach Vertragsstatus.
Wahlarzt: Der Privatarzt
Ein Wahlarzt (wörtlich „Arzt deiner Wahl”) ist ein approbierter Arzt ohne ÖGK-Vertrag. Der Arzt legt seine Honorare selbst fest. Du zahlst die volle Rechnung. Die ÖGK erstattet danach einen Bruchteil.
Warum es Wahlärzte gibt
Österreich hat zu wenige Kassenplanstellen im Verhältnis zur Zahl praktizierender Ärzte. Viele qualifizierte Fachärzte entscheiden sich für die Privatpraxis, statt auf einen Kassenvertrag zu warten oder die niedrigeren ÖGK-Honorare zu akzeptieren. Das Ergebnis: In Wien ist mehr als die Hälfte aller praktizierenden Ärzte Wahlärzte.
Warum Studierende zum Wahlarzt gehen
Trotz der Kosten ziehen Wahlärzte Studierende aus konkreten Gründen an:
- Kürzere Wartezeiten: Tage statt Wochen oder Monate
- Längere Termine: 20–45 Minuten statt der typischen 5–10 Minuten beim Kassenarzt
- Englischsprachige Ärzte: Besonders in Wien sprechen viele Wahlärzte Englisch
- Spezielle Fachrichtungen: Manche Subspezialitäten gibt es nur als Wahlarzt
- Verfügbarkeit außerhalb der Geschäftszeiten: Manche Wahlärzte bieten Abend- oder Samstagstermine an
Echte Kosten: Was Wahlärzte 2026 verlangen
Der Wahlarzt-Kosten-Report 2026 hat tatsächliche Erstordinationshonorare in ganz Österreich erhoben:
| Fachrichtung | Ø Erstordinationskosten | Spanne |
|---|---|---|
| Allgemeinmedizin (Hausarzt) | €108 | €60–180 |
| Dermatologie | €149 | €90–250 |
| Orthopädie | €178 | €120–300 |
| Innere Medizin | €181 | €100–280 |
| Gynäkologie | €202 | €120–350 |
| Psychiatrie | €206 | €150–300 |
Quelle: Wahlarzt-Kosten-Report 2026, Daten erhoben November 2025 – Februar 2026, basierend auf standardisierten Preisanfragen als potenzielle Neupatienten mit ÖGK-Versicherung.
Kostenbeispiele: Was du tatsächlich zahlst
Drei realistische Szenarien:
Szenario 1: Hausarzt-Besuch
- Wahlarzt-Rechnung: €108
- ÖGK-Kassentarif für dieselbe Leistung: ~€25
- ÖGK erstattet: €20 (80% von €25)
- Deine Kosten: €88
Szenario 2: Dermatologen-Besuch
- Wahlarzt-Rechnung: €149
- ÖGK-Kassentarif: ~€35
- ÖGK erstattet: €28 (80% von €35)
- Deine Kosten: €121
Szenario 3: Psychiater-Besuch
- Wahlarzt-Rechnung: €206
- ÖGK-Kassentarif: ~€45
- ÖGK erstattet: €36 (80% von €45)
- Deine Kosten: €170
Das Muster ist konsistent: Die ÖGK erstattet ungefähr 15–25% der tatsächlichen Wahlarzt-Rechnung, nicht die 80%, die viele Studierende erwarten. Die 80% beziehen sich auf den Kassentarif — und der liegt weit unter dem tatsächlichen Wahlarzt-Honorar.
Wie die Wahlarzt-Erstattung funktioniert
Der Ablauf Schritt für Schritt
Schritt 1: Wahlarzt besuchen
Du bekommst eine Behandlung. Am Ende erhältst du eine Rechnung (Honorarnote). Bezahle den vollen Betrag — bar, mit Karte oder per Überweisung, je nach Praxis.
Schritt 2: Der Arzt übermittelt deine Rechnung (WAHonline)
Seit Juli 2024 sind alle Wahlärzte mit mehr als 300 Patienten pro Jahr gesetzlich verpflichtet, deine Honorarnote elektronisch über das WAHonline-System an die ÖGK zu senden. Der Arzt muss deine Identität per e-card überprüfen. Das macht den Prozess schneller und weitgehend automatisch.
Schritt 3: ÖGK berechnet deine Erstattung
Die ÖGK berechnet 80% des Kassentarifs für die aufgelisteten Leistungen. Dieser Betrag wird auf dein österreichisches Bankkonto überwiesen.
Schritt 4: Du bekommst das Geld
- Bei Übermittlung via WAHonline: Erstattung innerhalb von 2 Wochen (oft schneller)
- Bei Einreichung per Post: Erstattung dauert 2–12 Wochen
- Frist: Du kannst Rechnungen bis zu 42 Monate (3,5 Jahre) nach dem Behandlungsdatum einreichen
Was die Honorarnote enthalten muss
Die Honorarnote (Rechnung) muss beinhalten:
- Name und Adresse des Arztes
- Dein Name und deine Sozialversicherungsnummer
- Behandlungsdatum
- Beschreibung der erbrachten Leistungen
- Verrechneter Betrag
- Zahlungsbestätigung (Bezahlt-Stempel oder Überweisungsbeleg)
Online-Tracking der Erstattung
Verfolge den Erstattungsstatus auf meineoegk.at mit deinem ID-Austria-Login.
Privatspitäler (Privatkliniken) vs öffentliche Krankenhäuser
Die Kassenarzt/Wahlarzt-Unterscheidung erstreckt sich auch auf Spitäler:
Öffentliche Krankenhäuser
- AKH Wien, LKH Graz, LKH Innsbruck usw.
- ÖGK deckt die Behandlung in der Allgemeinen Gebührenklasse
- Mehrbettzimmer (4–8 Betten)
- Behandlung durch das Spitalsteam
- Täglicher Kostenbeitrag: €12–15/Tag für die ersten 28 Tage
- Kein Arztwahl
Sonderklasse in öffentlichen Spitälern
Viele öffentliche Spitäler bieten eine Sonderklasse — eine Premium-Station im selben Haus:
- Einzel- oder Zweibettzimmer
- Behandlung durch einen Facharzt deiner Wahl (Chefarzt)
- Besseres Essen, mehr Komfort
- Nicht von der ÖGK gedeckt — Kosten: €300–800/Tag je nach Spital und Bundesland
- Gedeckt durch Zusatzversicherung (Sonderklasse-Tarif)
Privatkliniken
- Rudolfinerhaus, Confraternität, Goldenes Kreuz, Wiener Privatklinik usw.
- Nicht von der ÖGK gedeckt
- Tageskosten: €500–2.000+ je nach Behandlung
- Typischerweise durch Zusatzversicherung oder Selbstzahlung finanziert
- Kürzere Wartezeiten, hotelähnlicher Komfort, Arztwahl
Für Studierende: Wann ist das relevant?
Bei geplanten Operationen oder längeren Krankenhausaufenthalten ist der Unterschied erheblich. Bei Notfällen nehmen alle öffentlichen Spitäler dich auf — du bekommst immer eine Behandlung. Die medizinische Qualität in österreichischen öffentlichen Spitälern ist ausgezeichnet. Der Unterschied liegt bei Komfort, Wartezeit und Arztwahl.
Zusatzversicherung: Die Wahlarzt-Lücke schließen
Wenn du regelmäßig Wahlärzte besuchst oder Privatspital-Zugang möchtest, schließt die Zusatzversicherung die Lücke zwischen ÖGK-Erstattung und tatsächlichen Kosten.
Was die Zusatzversicherung abdeckt
| Leistung | Ohne | Mit Zusatzversicherung |
|---|---|---|
| Wahlarzt-Erstattung | ~20% der Rechnung | 80–100% der Rechnung |
| Facharzt-Wartezeit | Wochen bis Monate | Tage |
| Spitalsklasse | Allgemeine Klasse (4–8 Bett) | Sonderklasse (Einzel/Zweibett) |
| Spitalsarzt | Teamarzt | Wunsch-Facharzt wählbar |
| Zahnprothesen | Nicht gedeckt | 50–80% gedeckt |
| Alternativmedizin | Nicht gedeckt | Oft inkludiert |
Österreichische Zusatzversicherungs-Anbieter für Studierende
Die drei Hauptanbieter mit studierendenrelevanten Tarifen:
Generali:
- Wahlarzt-Tarif ab ~€35/Monat (Altersgruppe 20er)
- Sonderklasse-Tarif als Zusatz verfügbar
- Gutes Online-Portal für Einreichungen
Uniqa:
- MedPrivat- und MedKomfort-Tarife
- Wahlarzt + Sonderklasse ab ~€45/Monat (20er)
- Keine Überweisung nötig für Wahlarzt-Einreichungen
Wiener Städtische:
- MedPlus-Tariflinie
- Kombiniert Wahlarzt + Sonderklasse ab ~€50/Monat (20er)
- Weit verbreitet unter österreichischen Studierenden
Kosten-Nutzen-Analyse für Studierende
| Szenario | Monatliche Mehrkosten | Jährliche Ersparnis bei 3 Besuchen |
|---|---|---|
| Ohne Zusatz, 3 Wahlarztbesuche/Jahr | €0/Monat | Du zahlst ~€300–500 aus eigener Tasche |
| Basis Wahlarzt-Zusatz (€35/Monat) | €35/Monat (€420/Jahr) | Du bekommst ~€250–400 mehr zurück |
| Volle Zusatz + Sonderklasse (€60/Monat) | €60/Monat (€720/Jahr) | Lohnt sich erst mit Spitalsaufenthalten |
Fazit: Wenn du Wahlärzte weniger als 3 Mal pro Jahr besuchst, ist Selbstzahlung günstiger als die Zusatzversicherung. Besuchst du regelmäßig (englischsprachiger Therapeut, Dermatologe, Gynäkologe), rechnet sich die Versicherung.
Wichtig: Wartezeiten bei Vorerkrankungen
Die meisten Zusatzversicherungen haben Wartezeiten von 3–12 Monaten für Vorerkrankungen. Melde dich früh an — idealerweise zu Studienbeginn, wenn du gesund bist. Zahn-Wartezeiten betragen typischerweise 6–12 Monate.
Sonderfall: Psychotherapie und psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit ist ein Bereich, wo die Kassenarzt/Wahlarzt-Kluft Studierende am härtesten trifft.
Kassenplatz-Psychotherapie
- Die ÖGK deckt Psychotherapie bei Kassenplatz-Therapeuten (voll finanzierte Plätze)
- Wartelisten: 3–6 Monate in Wien für einen finanzierten Platz
- Kostenlos, sobald du einen Platz hast
Wahlarzt-Psychotherapie
- Keine Wartezeit — finde diese Woche einen Therapeuten
- Kosten: €80–150/Sitzung
- ÖGK erstattet: ~€28/Sitzung (Kostenzuschuss)
- Dein Eigenanteil: €52–122/Sitzung
- Wöchentliche Therapie bei €100/Sitzung = €400/Monat, minus €112 ÖGK = €288/Monat aus eigener Tasche
Studierendenberatung (kostenlos)
Bevor du für Privattherapie zahlst, prüfe diese kostenlosen Optionen:
- Psychologische Beratungsstelle der Uni — kostenlos, keine e-card nötig
- ÖH-Sozialberatung — kann beim Navigieren des Systems helfen
- Krisentelefon (Telefonseelsorge): 142 — 24/7, kostenlos, anonym
Mehr zum Thema psychische Gesundheit findest du in unserem Guide zur psychischen Gesundheitsversorgung für internationale Studierende.
Praktischer Entscheidungsguide: Kassenarzt oder Wahlarzt?
Immer Kassenarzt wählen bei:
- Routineuntersuchungen — jährliche Vorsorgeuntersuchung, Bluttests
- Chronischen Erkrankungen — regelmäßige Kontrollen, Rezeptverlängerungen
- Spital-Überweisungen — Kassenärzte überweisen direkt im öffentlichen System
- Laborarbeit — Bluttests, Urinuntersuchungen (beim Kassenarzt kostenlos, beim Wahlarzt kostenpflichtig)
- Rezepten — gleiche Rezeptgebühr von €7,55, aber der Kassenarztbesuch selbst ist kostenlos
Wahlarzt in Betracht ziehen bei:
- Dringenden Facharzt-Bedürfnissen — wenn 4–8 Wochen Wartezeit keine Option ist
- Englischsprachigen Ärzten — besonders außerhalb Wiens
- Zweitmeinungen — vor größeren Eingriffen
- Sensiblen Themen — längere Termine, mehr Privatsphäre
- Speziellen Subspezialitäten — manche gibt es nur als Wahlarzt
Der hybride Ansatz
Die meisten Studierenden in Österreich nutzen einen hybriden Ansatz:
- Hausarzt: Kassenarzt — für Routinebesuche, Überweisungen, Rezepte
- Fachärzte: Zuerst Kassenarzt, Wahlarzt nur wenn dringend oder nicht verfügbar
- Therapie: Kassenplatz-Warteliste + Uni-Beratung, Wahlarzt nur bei sofortigem Bedarf
- Zahnmedizin: Kassenarzt für Kontrollen und Füllungen, Selbstzahlung für Reinigungen
Dieser Ansatz hält die Kosten minimal und sichert Zugang, wenn Dringlichkeit es erfordert.
Ärzte in Österreich finden
Kassenärzte finden
- ÖGK-Arztsuche: gesundheitskasse.at — nach Kassenarzt-Status filtern
- DocFinder: docfinder.at — Patientenbewertungen, Filter nach Kasse
- Ärztekammer: aerztekammer.at — offizielles Verzeichnis
Wahlärzte finden
- DocFinder: Gleiche Plattform, nach Wahlarzt filtern
- Google Maps: Suche „Wahlarzt [Fachrichtung] [Stadt]”
- Uni-Aushänge: Internationale Studierendenbüros teilen manchmal Listen englischsprachiger Ärzte
- Expat-Foren: Vienna Expats Facebook-Gruppen, Reddit r/Austria
Arztstatus überprüfen
Vor der Terminbuchung immer prüfen, ob der Arzt Kassenarzt oder Wahlarzt ist:
- Praxis anrufen und fragen: „Haben Sie einen Kassenvertrag mit der ÖGK?”
- Auf DocFinder prüfen (gekennzeichnet als „Alle Kassen”, „ÖGK” oder „Wahlarzt”)
- Auf der ÖGK-Website prüfen (listet nur Kassenärzte)
Checkliste: Vor dem Wahlarzt-Besuch
Bevor du einen Termin beim Wahlarzt buchst, geh diese Checkliste durch:
- Kassenarzt-Alternative prüfen: Gibt es einen Kassenarzt in deiner Nähe mit derselben Fachrichtung und akzeptabler Wartezeit? Nutze die ÖGK-Arztsuche.
- Kosten klären: Ruf vorher in der Praxis an und frag nach den Kosten für die Erstordination. Manche Praxen veröffentlichen Preislisten auf ihrer Website.
- Zahlungsmethoden: Kläre, ob du bar, mit Karte oder per Überweisung zahlen kannst. Nicht alle Wahlpraxen akzeptieren Kreditkarten.
- e-card mitnehmen: Auch beim Wahlarzt brauchst du deine e-card — seit Januar 2026 ist die e-card-Prüfung Pflicht für die WAHonline-Übermittlung.
- Befunde mitbringen: Falls du frühere Befunde, Röntgenbilder oder Laborergebnisse hast, bring sie mit. Das spart Zeit und vermeidet Doppeluntersuchungen.
- Erstattungsrecht kennen: Frag in der Praxis, ob die Honorarnote automatisch per WAHonline an die ÖGK gesendet wird. Falls ja, kommt die Erstattung innerhalb von 2 Wochen.
Wahlarzt-Kosten senken: 5 Strategien
Strategie 1: Erstordination vs. Kontrolle
Die Erstordination (erster Besuch) ist immer teurer als Kontrollbesuche. Folgebesuche kosten typischerweise 20–40% weniger. Wenn du einen Wahlarzt regelmäßig brauchst, sinken die Kosten nach dem Erstbesuch.
Strategie 2: ÖGK-Erstattung immer einreichen
Auch wenn die Erstattung niedrig ist — reiche immer ein. Bei einem Dermatologen-Besuch für €149 bekommst du ca. €28 zurück. Über ein Jahr mit 3 Besuchen sind das €84 gespart.
Strategie 3: Kombi-Strategie Kassenarzt + Wahlarzt
Lass Standarduntersuchungen (Blutbild, Urin) beim Kassenarzt machen — kostenlos. Geh zum Wahlarzt nur für die Erstbeurteilung und Spezialbefunde. So sparst du Laborkosten.
Strategie 4: Studierenden-Rabatte fragen
Manche Wahlärzte bieten informelle Studierenden-Rabatte an. Es schadet nicht zu fragen — besonders bei regelmäßigen Besuchen (z.B. Therapie).
Strategie 5: Zusatzversicherung rechtzeitig abschließen
Wenn du weißt, dass du regelmäßig Wahlärzte brauchst (z.B. Therapie, Dermatologie), schließ die Zusatzversicherung zu Studienbeginn ab — bevor Vorerkrankungen diagnostiziert werden. Wartezeiten beginnen ab Vertragsbeginn.
Wahlarzt im Ausland: Gilt die Erstattung auch außerhalb Österreichs?
Nein. Die ÖGK-Wahlarzt-Erstattung gilt nur für in Österreich niedergelassene Ärzte. Wenn du im Ausland (z.B. während eines Erasmus-Semesters) zum Arzt gehst, gelten andere Regeln. Innerhalb der EU kannst du deine e-card als EHIC nutzen — das deckt aber nur Kassenleistungen im jeweiligen Land. Für Auslandsaufenthalte empfiehlt sich eine separate Reiseversicherung.
Wahlarzt-Rechnung steuerlich absetzbar?
Unter bestimmten Umständen ja. Wenn deine Wahlarzt-Kosten den Selbstbehalt (abhängig von deinem Einkommen) überschreiten, kannst du sie als außergewöhnliche Belastung in der Arbeitnehmerveranlagung geltend machen. Für Studierende mit geringem Einkommen kann der Selbstbehalt niedrig sein. Sprich mit der Arbeiterkammer oder dem Finanzamt für Details. Bewahre alle Honorarnoten und Zahlungsbelege auf.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kassenarzt und Wahlarzt?
Ein Kassenarzt hat einen Vertrag mit der ÖGK. Du zeigst deine e-card und zahlst nichts (außer €7,55 pro Rezept). Ein Wahlarzt hat keinen ÖGK-Vertrag. Du zahlst die volle Rechnung vorab. Die ÖGK erstattet 80% des viel niedrigeren Kassentarifs — in der Praxis etwa 15–25% der tatsächlichen Rechnung.
Was kostet ein Wahlarzt-Besuch in Österreich?
Durchschnittliche Erstordinationskosten 2026: Hausarzt €108, Dermatologe €149, Orthopäde €178, Internist €181, Gynäkologe €202, Psychiater €206. Das sind österreichweite Durchschnitte — Wien liegt tendenziell höher. Folgebesuche sind typischerweise 20–40% günstiger als Erstordinationen.
Wie viel erstattet die ÖGK beim Wahlarzt?
Die ÖGK erstattet 80% des Kassentarifs (die Gebühr, die die ÖGK einem Vertragsarzt zahlen würde), nicht 80% der Wahlarzt-Rechnung. Der Kassentarif ist deutlich niedriger als Privathonorare. In der Praxis bekommst du etwa 15–25% der tatsächlichen Rechnung zurück. Beispiel: €149 Dermatologen-Rechnung, €28 Erstattung, €121 Eigenanteil.
Wie lange dauert die Wahlarzt-Erstattung?
Bei Einreichung via WAHonline (seit Juli 2024 für die meisten Ärzte verpflichtend): ca. 2 Wochen. Bei Einreichung per Post: 2–12 Wochen. Rechnungen können bis zu 42 Monate nach der Behandlung eingereicht werden.
Lohnt sich eine Zusatzversicherung für Studierende?
Das hängt von deiner Nutzung ab. Besuchst du Wahlärzte 3+ Mal pro Jahr oder möchtest Sonderklasse im Spital, kann eine Zusatzversicherung ab €35–60/Monat Geld sparen. Gehst du selten zum Arzt und bist mit dem Kassensystem zufrieden, reichen die €78,84/Monat ÖGK allein aus.
Kann ich ohne ÖGK-Versicherung zum Wahlarzt?
Ja. Jeder kann zum Wahlarzt — du zahlst einfach die volle Rechnung ohne Erstattung. Mit ÖGK bekommst du eine Teilerstattung (80% des Kassentarifs). Ohne Versicherung ist der Preis identisch — du bekommst nur nichts zurück.
Sprechen Wahlärzte Englisch?
Viele ja, besonders in Wien und anderen Universitätsstädten. Wahlärzte, die auf internationale Patienten ausgerichtet sind, listen Englisch oft auf ihrer Website oder dem DocFinder-Profil. Kassenärzte sprechen vielleicht auch Englisch, werben aber seltener damit.
Warum gibt es so viele Wahlärzte in Wien?
Österreich hat eine begrenzte Zahl an Kassenplanstellen (Vertragspositionen). Viele qualifizierte Ärzte bekommen keinen Vertrag oder entscheiden sich dagegen wegen niedrigerer Honorare und höherem Verwaltungsaufwand. In Wien liegt das Verhältnis Wahlärzte zu Kassenärzte bei ungefähr 50:50. In kleineren Städten und ländlichen Gebieten ist es besser.
Kann ein Wahlarzt mich an ein öffentliches Spital überweisen?
Ja. Eine Wahlarzt-Überweisung wird von öffentlichen Spitälern akzeptiert. Allerdings kann die ÖGK-Deckung für manche spezialisierten Überweisungen (wie MRT oder Physiotherapie) eingeschränkt sein, wenn sie von einem Wahlarzt statt einem Kassenarzt initiiert werden. Frag bei der ÖGK nach, wenn du unsicher bist.
Was ist die Sonderklasse in österreichischen Spitälern?
Die Sonderklasse ist die Premium-Station in einem öffentlichen Spital — Einzel- oder Zweibettzimmer, Arztwahl, bessere Ausstattung. Sie ist nicht von der ÖGK gedeckt. Kosten: €300–800/Tag. Gedeckt durch eine Zusatzversicherung mit Sonderklasse-Tarif. Die Standard-Allgemeine Gebührenklasse (Mehrbettzimmer, Teamarzt) ist das, was die ÖGK abdeckt.
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